Was ist hier eigentlich Realität?

Reality Virtual Reality: Museum der bildenden Künste Leipzig.

Virtual Reality (VR) – so langsam entwickelt es sich zu einem Wort das in aller Munde ist und nur noch selten auf fragende Gesichter stößt. So wirklich erlebt – so richtig in der virtuellen Realität, war dennoch bisher nur ein Bruchteil von uns. Dies liegt mitunter daran, dass es bisher nur wenige Möglichkeiten gibt, eine VR-Brille öffentlich auszuprobieren. Oculus und HTC haben ihr Brillen nun schon seit einigen Jahren auf dem Markt und auch einsatzfähigen Apps mangelt es nicht, doch wer keine eigene Brille besitzt kommt eben auch nicht zur Erfahrung. Im Museum der bildenden Künste ist diese Erfahrung nun für jedermann/frau möglich.  Und so habe ich mich mal unter die vielen Kunstkenner*innen und Neugierigen begeben und mal bei der Vernissage von Reality Virtual Reality der Künstler Paul McCarthy und Christian Lemmerz vorbei gesehen und konnte wieder feststellen, dass ich noch einige Zeit brauche, um mich mit der virtuellen Realität anzufreunden.

Mal wieder betrete ich das MdbK und bin beeindruckt von der Menschenmenge und den vielen besetzten Stühlen gleich im Eingangsbereich. Das Thema VR bewegt wohl noch jede Menge Leute und man kann die Neugierde und Ungeduld vor dem “Endlich-Ausprobieren” schon spüren. Dennoch lausche ich der Eröffnungsrede des Direktors Alfred Weidinger gespannt. Eine Ankündigung Weidingers erfreut mich dabei besonders, eine Ausstellung Yoko Onos steht wohl in Planung, und ich sehe mich schon bei der nächsten Vernissage ;). Dazu aber ein andermal mehr.

Nun dreht es sich zunächst um die Verarbeitung von Virtual Reality in der Kunst. Wie geht man mit dieser neuen Möglichkeit um? Wie gelingt es seinen künstlerischen Stil in der virtuellen Realität zu verarbeiten. Paul McCarthy und Christian Lemmerz unterscheiden sich nicht nur in ihrem Alter, sondern auch von ihrem Stil. Wie dieser in der virtuellen Realität verarbeitet wird, ist schwer abzusehen.

Ohne eine großartige Vorstellung heißt es daher ganz einfach “Brille auf und eintauchen”.

Autor Julia
Reality Virtual Reality, MdbK

Christian Lemmerz verarbeitet in seiner VR Installation die Figur Jesu. Taucht man in seine virtuelle Realität wird mit man einem goldenen gekreuzigten Jesus konfrontiert. Langsam tropft ihm das goldene Blut vom Körper und ächzende Töne deuten auf das Leiden der Figur. Unausweichlich fühlt man sich der Figur nahe, obwohl sie dennoch so abstrakt ist.

Autor Julia
Christian Lemmerz, Reservoir, 2016

Paul McCarthy überrascht oder vielmehr erschreckt mich allerdings mehr. Er ist bekannt für seine Kritik an der amerikanischen Konsumgesellschaft und integriert häufig die Sprache der amerikanischen Unterhaltungsindustrie in seinen Werken, das verrät zunächst der einführende Text.

Womit ich konfrontiert werde?

Unzählige comicartig, in 3D inszenierte Frauen umgeben mich. Sie laufen ruckartig um mich herum, gehen auf mich zu, treten mir gegenüber und beschimpfen mich mit “Fuck-you”. Mehr als beklemmt kralle ich mich an der Brille fest – sie ist schließlich die einzige Gewissheit wieder zurück in die reale Realität fliehen zu können. Tüchtig belastet, hebe ich die Brille von den Augen und die Kopfhörer von den Ohren. Ich habe mich schon immer vor Geisterbahnen gefürchtet -diese Unausweichlichkeit vor dem Grusel. Ähnlich ging es mir bei der Installation – ich denke aber, das spricht für sie.

Autor Julia
Reality Virtual Reality

Nun beobachte ich das Treiben mal von der realen Perspektive.

Zwischen den Trennwänden stehen die Leute Schlange und wie einführend beschrieben drängen sowohl Jung als auch Alt danach, endlich einmal diese Brille aufsetzen zu dürfen. Ich ertappe währenddessen auch andere Kandidaten, die sich zu fürchten scheinen und sich nur gemeinsam mit einer Begleitung an der Hand durch die virtuelle Realität bewegen. Also, um etwas reales, in der nicht realen Welt zu spüren?

Virtual Reality bewegt uns alle – doch was macht es besonders für die Kunst so besonders?

Anders als bei einem starren Gemälde wird man vom passiven Betrachter zum aktiven Benutzer. Es gibt keine Grenze in Form eines Bilderrahmens oder einer Leinwand, man bewegt sich in einem grenzenlosen Raum und verschmilzt mit dem Werk. Für mich ist es schwer vergleichbar mit einer klassischen Darstellung einer Skulptur, einer Grafik, oder eines Gemäldes, besonders, weil so viel Technik involviert ist.

Autor Julia
Paul McCarthy

Dennoch ist es eine wertvolle Erfahrung sich in der virtuellen Welt zu bewegen, und lässt einen nur vermuten, in wiefern wir uns mit Virtual Reality in Zukunft noch beschäftigen müssen – auch und besonders außerhalb des künstlerischen Einsatzes.

Jedenfalls fällt mir persönlich die Verknüpfung von Kunst und VR noch immer schwer. Vielleicht ist Kunst einfach eines der Dinge, das mich auch ohne Technik in einer andere Welt versetzen kann.

Was? Reality Virtual Reality

Wo? Museum der bildenden Künste Leipzig

Wann? 31.05. – 26.08.2018

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