Ausflug auf die Burg

Obwohl Konrad und ich nun schon seit fast einem Jahr in Halle studieren, haben wir es bisher kaum in Ausstellungen der wunderbaren kleinen Schwester Leipzigs geschafft. Der Termin der Jahresausstellung der Burg Halle (Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle) war daher schon fett im Kalender markiert, obwohl er leider mit der Diplomausstellung der HGB in Leipzig (Hochschule für Grafik und Buchkunst) konkurrierte. So entschieden wir uns schnell uns “aufzuteilen”. Also zumindest das Verfassen der Beiträge, denn die Ausstellung der HGB wollte ich mir natürlich auch nicht entgehen lassen ;). Konrad schrieb in seinem Beitrag darüber. Die Burg machte mich aber eben einfach noch neugieriger.

Als ich einmal, ganz klassisch als Tourist, die Burg Giebichenstein besichtigte, versprach der Blick über die Mauern Richtung Innenhof der Kunsthochschule schon so einiges. Nun als ich Samstag Mittag durch das alte Gemäuer in den Innenhof schreite, ist mir schnell klar, dass das ein traumhafter Ort zum Studieren sein muss.

Innenhof Burg Halle
Innenhof Burg Halle

Der Hof ist belebt, viele Leckereien werden angeboten und wir werden kurzum wie kleine Elstern vom Schmuckdesign angezogen. In kleinen Schaukästen finden wir je eine Miniaturausstellung wieder, die einen Einblick von der Inspiration bis zur Umsetzung des Schmucks gibt. Unter den bestimmt zehn Schaukästen sticht insbesondere der Schmuck Sofie Wirths heraus. Die Hand dient hier nicht nur als Schmuckmodell sondern als Inspiration. Aufgestickt, abfotografiert und aus Kupfer oder Ton geformt. Eine besonders ästhetische Zusammenstellung. Schade, dass wir und kaum rühren können aufgrund der Menschenmenge und den etwas kleinen Raum.

Sofie Wirth, Schmuckdesign, Jahresausstellung der Burg Halle
Sofie Wirth, Schmuckdesign, Jahresausstellung der Burg Halle

Kurz gesnackt, wagen wir uns weiter zur Klasse der Bildhauerei und Metall.

Ein anderes Gebäude, ein andere Stimmung. Schon beim betreten wirkt der offene Raum einladend und leicht zu überblicken, sodass wir die einzelnen Werke ganz in Ruhe auf uns wirken lassen können. So hören wir gebannt, was uns die kleine Installation Sofia Mayers zu sagen hat. Durch kurzes Schütteln der Dose entstehen Schwingungen, die einen entspannten langen Ton erzeugen.

Sofia Mayer, Hören II, Jahresausstellung der Burg Halle
Sofia Mayer, Hören II, Jahresausstellung der Burg Halle

Lange verweile ich vor den Kupferarbeiten Fabian Bergers. Frei schwingende filigrane Kupferstangen, geschickt ineinander und miteinander verbunden und geschwungen. Ein dreidimensionales Mandala, dass mit seiner Symmetrie etwas ganz beruhigendes neben den vielen großen Objekten im Raum ausstrahlt.

Fabian Berger, Kupfer, Jahresausstellung Burg Halle
Fabian Berger, Kupfer, Jahresausstellung Burg Halle

Wir machen noch einen kleinen Abstecher, die Treppe hinab,  in den Keller und kehren beeindruckt von der einzigartigen Atmosphäre der Kunsthochschule für eine entspannte Pause in den Innenhof zurück. Umgeben von Tomatenpflanzen, alten und neuen Objekten sagen wir nicht nein zu einem selbstgemachten Ginger Ale und einen entspannten Platz im Schatten, bis mich die Ungeduld packt.

Weiter geht’s in das alte Pförtnerhäuschen, wo Glas, Bild, Objekt und Raum eins werden. Besonders die kleinen Künstlerbücher – Wahrheit 1-3 mit Gedichten, Kurzgeschichten und Fotos (aus dem ganz normalen Alltag) Nora Mantheis lassen uns länger verweilen und stöbern. So soll es auch im Bereich “Buchkunst” weitergehen.

Jahresausstellung der Burg Halle
Jahresausstellung der Burg Halle

Holzbalken, alte, schwere Druckmaschinen und ein Dielenboden – ein beeindruckender Raum und umso entspannter Arbeitsplatz. Kein Wunder, dass hier so durchdachte, komplizierte und beeindruckende Buchkunst entstehen kann. Ein Buch möchte ich in Kürze genauer vorstellen, damit ihr Euch eine Vorstellung davon machen könnt wie verdammt gut durchdacht diese kleinen Papierkunstwerke sind.

Hyewon Jangs “wachsen” löst sich von der Strenge der eigentlich so mathematischen Struktur eines klassischen Buches, mit Hilfe beweglicher Papierringe. Fährt man sanft mit dem Finger durch einen der Ringe ist das Gleichzusetzen mit dem Blättern eines Buches, man steuert aber ganz von selbst die Konstellation von Wörtern und Sätzen, sodass neue Sinnzusammenhänge entstehen.

Hyewon Jang "wachsen", Buchkunst, Jahresausstellung Burg Halle
Hyewon Jang „wachsen“, Buchkunst, Jahresausstellung Burg Halle

Ich könnte Stunden neue Sätze formen….

Doch noch immer nicht genug, geht es ein Stockwerk höher in die Grafikwerkstatt der Burg. Obwohl mein Kopf schon ganz voll und rot von den vielen Eindrücken ist, ziehen mich noch einmal die Werke Farina Blankmeisters in den Bann, die ganz intime Momente aufnehmen. Besonders die schlafende Leonie, gemalt auf Leinwand mit Acryl, versprüht sehr viel Authentizität und Nähe. Viele kleine Details machen diese Momentaufnahme so angenehm intim und zeugen von Talent.

Farina Blankmeister, Leonie, Jahresausstellung der Burg Halle
Farina Blankmeister, Leonie, Jahresausstellung der Burg Halle

Entschlossen treten wir den Heimweg an, bis uns der Shuttle doch nochmal kurz in das Gebäude des Campus Design chauffiert. Nicht weniger beeindruckt, Staunen wir wieder allein über das Gebäude. Diese alte Villa, die umgeben von modernen Details schon wieder zum Kreativsein einlädt.

Am liebsten würden wir den gesamten Burg Shop aufkaufen und uns mit schnieken Handtuchhaltern und individuellen Tonschälchen ausstatten, stattdessen sneaken wir uns nochmal kurz vor Schluss ins Erdgeschoss und bekommen noch einen kleinen Eindruck von der Klasse Modedesign. Mein Herz geht auf, Modedesignerin war schon immer ein kleiner schlummernder Berufstraum und so finde ich es umso schöner unseren intensiven Ausflug zur Burg mit einem kleinen Einblick in die Kollektion “Von Spitzen, Fersen und Rippen” von Julia Kleeblatt zu beenden.

Julia Kleeblatt, Conceptual Fashion Design, "Von Spitzen Versen und Rippen", Jahresausstellung Burg Halle
Julia Kleeblatt, Conceptual Fashion Design, „Von Spitzen Versen und Rippen“, Jahresausstellung Burg Halle

Der Strumpf als essentielles Produkt der Handarbeit wird hier neu gedacht. Aus Nylon oder Wolle, vergrößert oder zerlegt, formt er die Brüste des Pullovers, sitzt er verschoben an den Fersen und bildet das verbindende Element der einzelnen Teile.

Nun, ich kann eigentlich keinen Fehler im System (Titel der Jahresausstellung) entdecken, außer, dass ich viel zu wenig Zeit eingeplant habe. Ich komme wieder liebe Burg!

Was? Jahresausstellung der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle

Wann? 13.-15. Juli 2018

 

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