Erfrischend

Museum der bildenden Künste, Eröffnung der Sommerausstellungen.

Erfrischend nenne ich diesen Beitrag nicht umsonst. Es ist ein heißer Sommertag und anstatt mich am See abzukühlen entscheide ich mich für eine andere Erfrischung und mache mich auf den Weg ins (gut klimatisierte) Museum der bildenden Künste. Obwohl erfrischt, bin ich ein bisschen verwirrt. Eigentlich hatte ich geplant, mich zunächst einfach nur der neuen Ausstellung von Gregor Peschko aus der Reihe CONNECT zu widmen, über die ich erst jüngst berichtet habe, doch es sieht nach ein bisschen mehr Input und Menschen aus.

Nicht nur, weil mal wieder der erste Mittwoch im Monat, und daher freier Eintritt im MdbK ist, sondern auch, weil sich Stuhl- an Stuhl reiht. Mal wieder eine feierliche Eröffnung, juhu! Ganz hinten finden wir noch einen Platz auf dem (erfrischenden) Boden und lauschen zunächst der Rede des Direktors Weidinger.

An diesem Tag sollen gleich vier Ausstellungen eröffnet werden: die Gregor Peschkos, Julius Hofmanns und Christian Schellenbergers und zuletzt ein neues Format: MdbK meets G2.

Ganz schön viele Infos auf einmal, daher fasse ich mich erstmal etwas kürzer – wir entscheiden uns zunächst für das Altbewährte und werfen einen Blick die Ausstellung Peschkos. Greogor Peschko ist der vierte Künstler, der insgesamt zehn Kandidat*innen, die bei CONNECT ausstellen. Bei seinen Werken handelt sich um Appropriation Art, die sich seit den 1960er Jahren entwickelt hat und eine besondere Form der Konzeptkunst darstellt.

Für Peschkos Werke gehören die Vorgaben des Raums zu seinem Konzept und so verwirklicht er in seinem jüngsten Werk einen Abgleich des Eingangsbereiches der Museumshalle des MdbK. Wort, wörtlich oder Bild, verbildlicht?!

Schon beim Betreten ertappe ich mich mit einem großen Grinsen, als dann auch noch eine Museumswärterin hinter der (unechten) Theke steht und Flyer auslegt, scheint es wie das alles wie das Original. Ich liebe die Idee, sie ist so absurd, dass sie schon wieder fasziniert.

Greogor Peschko Connect
Greogor Peschko; Connect

Ein guter Einstieg ist gemacht und wir gehen in den Keller, oh entschuldigt, ins Untergeschoss. Der Begriff “Keller” sei mit etwas Negativem behaftet, so Herr Weidinger in seiner einleitenden Rede, und so gewöhne ich mich an den etwas formelleren Begriff. Nun ja mir gefällt es da “unten” eigentlich immer, ob Keller oder Untergeschoss.

Den Menschenmassen hinterher zieht es uns in die Ausstellung MdbK meets G2. Zunächst einmal ein sehr spannendes Projekt. Sehr spontan sei es entstanden und verkörpert die Freundschaft zwischen dem Museum der Bildenden Künste und der G2 Kunsthalle, so Alfred Weidinger (MdbK) und Anka Ziefer (G2). Die Ausstellung diene der gegenseitigen Stärkung und Ergänzung der beiden Einrichtungen, so Ziefer. Insgesamt befinden sich 16 Werke der Sammlung Hildebrands und 16 aus der Sammlung des MdbKs auf zwei Räume im Untergeschoss verteilt.

Nun ist es legitim zu fragen, ob die Ausstellung neben dem „Freundschafts-Aspekt“ auch inhaltlich einen gemeinsamen Nenner hat. Ja, das hat sie! Es handelt sich um Werke, die nach 2000 in Leipzig aus der Generation um Neo Rauch entstanden sind. Was mich besonders begeistert, jedes der Werke ist von ehemaligen HGB (Hochschule für Grafik und Buchkunst) Schüler*innen.

Doch es ist keineswegs eine Ausstellung mit Werken unerfahrener Künstler*innen, vielmehr kommt man als Betrachter*in gar nicht mehr aus dem Staunen.

MdbK meets G2
MdbK meets G2

Ein Großformat nach dem Anderen sticht ins Auge und zunächst gilt es erstmal, ein Konzept für sich selbst zu entwickeln, um Eindrücke und Gedanken zu sortieren.

Gleich im vorderen Bereich der Ausstellung wird man von einem großflächigen Werk Johannes Rochhausens begrüßt, ein Blick in ein Atelier. Detailreich und originell und irgendwie perfekt platziert; schließlich zeigt es den klassischen Entstehungsort, der Werke, die die Besucher bestaunen können. Ich beginne sofort Vermutungen anzustellen…vielleicht eines der Ateliers in der alten Handelsschule?

Johannes Rochhausen, Atelieransicht VIII (2008), MdbK
Johannes Rochhausen, Atelieransicht VIII (2008), MdbK

Neben realistischen Werken, versetzen andere den Betrachter in Traumwelten und oder geometrisches Chaos, das sowohl Alt als auch Jung innehalten lässt. So die rote Farbexplosion „Lift“ von David Schnell.

David Schnell, Lift (2007), Sammlung Hildebrand
David Schnell, Lift (2007), Sammlung Hildebrand

Erst kurz bevor ich den zweiten, nicht weniger eindrucksvollen Raum betrete, widme ich mich den Bildern Neo Rauchs. Natürlich zieht sein neuestes Werk “Der Übergang” aus der Sammlung Hildebrands viele Blicke auf sich. Bildebenen überschneiden sich und man findet mehr fünf unterschiedliche Szenen verknüpft in dem blau-weiß gehaltenen Werk mit roten Akzenten. Große Interpretationsfreiheit!

Neo Rauch, der Übergang (2018), Sammlung Hildebrand
Neo Rauch, der Übergang (2018), Sammlung Hildebrand

Vergleichend dazu befindet sich gleich daneben ein etwas kleineres Werk Rauchs aus der Sammlung des MdbK “Fell” von 2000.

Neo Rauch, Fell (2000), MdbK
Neo Rauch, Fell (2000), MdbK

Doch um den Prinzip von jungefarben treu zu bleiben möchte ich dem bekannten Namen Neo Rauch gar nicht so viel Aufmerksamkeit schenken und freue mich umso mehr, dass der Großteil der Werke keinesfalls im Schatten des namhaften Künstlers steht.

Das bestätigt sich auch im Raum nebenan. Lange halte ich vor dem Werk Mirjam Völkers “Zyklop”(2012) inne. Phantasievolle- vermischen sich hier mit realistischen Elementen. Zunächst wirkt der abgebildete Jägerstand einladend, sieht man genauer hin weckt das Geäst und Dickicht Grusel. Wer hier wohl haust?

Mirjam Völker, Zyklop (2012), Sammlung Hildebrand
Mirjam Völker, Zyklop (2012), Sammlung Hildebrand

Ich merke, wie so langsam die Zeit davonrennt und werfe noch einen kurzen Blick auf das Werk Julius Hofmanns “SCUD”.

Julius Hofmann, SCUD (2014), Sammlung Hildebrand
Julius Hofmann, SCUD (2014), Sammlung Hildebrand

Wie erwartet, nach seiner kurzen persönlichen Vorstellung, ist sein Werk irgendwie verrückt und verspielt, gleichzeitig düster und deutet nicht wenig auf sein weiteres Schaffen hin: “Cinematic Cybernetics”. Eine Art Kinosaal, inklusive Film und Werken.

Julius Hofmann sagt selbst, dass er darin die älteste und die neuste Form von Kunst vereinen möchte. Die Malerei und die 3D-Animation bzw. den Film, als künstlerisches Werk. Dabei gelingt es ihm einen Raum zu schaffen, der schon beim Betreten dazu einlädt auf eine ungewisse Reise zu gehen…durch und mit dem Raum in seinen Film. Dabei kommen im computerspielartigen Film, immer wieder Elemente aus dem Raum vor (wie beispielsweise eine Schale, die aus zwei Händen geformt ist).  Das bleibt aber am Ende eines der wenigen Elemente, die mir einen „AHA-Effekt“ erlauben. Obwohl ich den Film geduldig ansehe, verstehe ich ihn letztendlich nicht.

Wie in einem der ersten SIMS Computerspiele, welches grafisch noch stark an die 2000er erinnert, wird man im Film mit verschiedenen Helden und Opferfiguren konfrontiert und von dystopischen Szenen wieder zurück in das Paradies versetzt. Dabei spielt die Wiederkehr und Werbung von (erfundenen) Marken eine prägende Rolle. Irgendwie gefällt mir das Ungreifbare des Inhaltes, gleichzeitig gehe ich ohne ein richtiges Fazit aus dem Film. Ein zweites Anschauen würde sicherlich mehr Licht ins Dunkel bringen.

Als wir den “Kinosaal” verlassen tönt schon der Schlussgong, der nun auch den Artikel beenden soll.

Für Christian Schellenenbergers “Central Station” reicht die Zeit leider nicht, aber wir sind bestimmt nochmal vor Ort! Auch in die Ausstellung Reality Virtual Reality von Paul McCarthy und Christian Lemmerz schaffen wir es nicht mehr, aber keine Sorge, wir haben uns das ganze natürlich schon bei der Vernissage im Juni angesehen. Mehr dazu also demnächst. 😉

Worauf man sich noch freuen kann: Die Ausstellung von Titus Schade “Plateau” , in die wir noch einen intensiveren Blick warfen und gerne nochmal genauer beleuchten wollen.

Unser Fazit zu der Eröffnung der Sommerausstellungen: So erfrischend, dass ein Ausflug an den See gar nicht mehr nötig ist.

Was? Eröffnung der Sommerausstellungen

Wo? Museum der bildenden Künste Leipzig

Wann?

Gregor Peschko, CONNECT: 05.07.- 29.07.18

G2 meets MdbK: 05.07.- 09.09.18

Julius Hofmann, Cinematic Cybernatics: 05.07-14.10.18

Christian Schellenberger, Central Station: 05.07. – 16.09.18

Christoph Ruckhärberle, Tanz am Strand (2008), MdbK
Christoph Ruckhärberle, Tanz am Strand (2008), MdbK

 

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